Die Gelderner Grenzregion

Kulturelle und wirtschaftliche Grenzkontakte

Die traditionellen Beziehungen in den Grenzregionen zwischen den Regionen Achterhoek und Westfalen und zwischen dem Reich von Nimwegen und dem Niederrheingebiet wurden ziemlich bald nach dem Zweiten Weltkrieg wiederhergestellt. Die offizielle Wiederherstellung der guten Beziehungen zwischen den Niederlanden und der Bundesrepublik Deutschland führte 1961 zu einer Kulturvereinbarung, die Austauschmöglichkeiten in den Bereichen Kunst, Wissenschaft und Bildung bot.

Die Vereinbarung basierte auf der Verwandtschaft, die es trotz der Staatsgrenze zwischen den Niederlanden und Deutschland gab. Erst im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts hatte die Staatsgrenze auch eine Trennung auf kulturellem und gesellschaftlichem Gebiet verursacht. Infolge des Zweiten Weltkrieges war diese Trennung verschärft worden, aber jetzt sollte diese Barriere zwischen Menschen wieder niedergerissen werden. Das Kooperationsbestreben entsprach dem Wachstum Europas zur Einheit hin sowie der Aufgabe, mit der die Vereinten Nationen die Grenzregionen im Jahr 1965, dem ‚Jahr der internationalen Kontakte‘, betraut hatten.

Kulturvereinbarung

Faktisch war die Kulturvereinbarung keine neue Entwicklung. Privatinitiativen hatten bereits in den Fünfzigerjahren gegenseitige Kontakte in der Grenzregion in Gang gesetzt. Früher und stärker als auf nationaler Ebene war dort die Erkenntnis vorhanden, dass eine bessere Gesellschaft nur gedeihen kann, wenn an beiden Seiten der Grenze ein günstiges Klima dafür geschaffen wird. Starke antideutsche Gefühle spielten bei den Gelderner Grenzbewohnern keine beherrschende Rolle. Außerdem konnte man in der Grenzregion auf zahlreiche historische Beziehungen, gemeinsame Bräuche, Mundarten und nicht zu vergessen die Familienbeziehungen zurückgreifen.

Liemers-Niederrhein

Aus diesen Privatinitiativen ging im Januar 1965 der deutsch-niederländische Verein Liemers-Niederrhein hervor, der bezweckte gegenseitige menschliche Kontakte herzustellen und aufrechtzuerhalten, und so im Rahmen der europäischen Kooperation zu einem besseren internationalen Verständnis beizutragen. Der Verein hatte den Sitz in ’s-Heerenberg und Emmerich. Der Umfang der Aktivitäten des Vereins Liemers-Niederrhein war relativ unbedeutend, die geographische Reichweite war gering, aber die Idee dahinter war groß. Ein besseres Verständnis zwischen Individuen sollte zu besseren Beziehungen zwischen Völkern führen. Diese Idee wurde durch gemeinsame Kulturveranstaltungen an beiden Seiten der Grenze umgesetzt.

Autobahn A15

Neben der Förderung der Grenzkontakte im kulturellen Bereich gab es auch Initiativen zur Entfaltung der wirtschaftlichen Beziehungen in der Grenzregion, die von den Behörden unterstützt wurden. Es handelte sich insbesondere um die Suche nach praktischen Lösungen für den Grenzverkehr. Am Anfang der Sechzigerjahre entstanden die ersten Kontakte zwischen Arnheim, Nimwegen, Emmerich und Kleve. Am 11. Juli 1963 wurde im Schloss Doornenburg eine Konferenz abgehalten, welche die wirtschaftlichen Möglichkeiten einer neuen Verbindung (die Autobahn A15) zwischen dem Westen der Niederlande und dem deutschen Ruhrgebiet zum Thema hatte. Die Teilnehmer, die den großen Nutzen dieser Konferenz erkannten, schafften eine solide Grundlage für die Kooperation, indem eine Arbeitsgruppe zur regionalen Entwicklung des niederländisch-deutschen Rheingrenzgebietes zwischen den Flüssen IJssel und Maas gebildet wurde.

Euregio

Im Jahr 1978 wurde die Arbeitsgemeinschaft Euregio Rhein-Waal gegründet, die insbesondere die Verstärkung des wirtschaftlichen Potenzials der Region, unter anderem durch Verbesserung der Raumstruktur und Förderung der wirtschaftlichen, technischen und innovativen Möglichkeiten, bezweckte. Aber auch der Schutz der Umwelt und die Intensivierung der kulturellen und sozialen Kontakte waren wichtige Kernpunkte. Im Jahr 1993 wählte sie zur Betonung des europäischen Gedankens den Namen Euregio Rhein-Waal und bekam als erste Euregio in Europa einen öffentlich-rechtlichen Status.

Berufe

Die Vorteile waren schon bald spürbar. Die Kooperationsstrukturen wurden verbessert, was eine effizientere Vorgehensweise ermöglichte. Im Jahr 2000 wurde im Rahmen des Interreg-Programms der Europäischen Kommission eine Initiative des Vereins Liemers-Niederrhein finanziell unterstützt. Es betraf eine Reihe von Gesprächsabenden in Emmerich zwischen – nacheinander – Juristen, Ärzten, Architekten, Bauern, Bauunternehmern, Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern, Lehrern und Journalisten aus der Grenzregion. Diese Gespräche brachten zahlreiche große und kleine Unterschiede in der Amts- und Berufsausübung ans Licht.

55 Mitglieder

Das Arbeitsgebiet der Euregio Rhein-Waal umfasst die Regionen Arnheim, Nimwegen, Nordlimburg, Nordostbrabant, das Flussgebiet, Südwestveluwe, Achterhoek, die Kreise Kleve und Wesel und die Stadt Duisburg. Das Gebiet ist 5.756 km2 groß und zählt etwa 2,7 Millionen Einwohner. Im Jahr 2004 gab es 55 Mitglieder, unter anderem viele Gemeinden, Regionalbehörden und zwei Handelskammern.

Teile diese Seite auf sozialen Medien: